{"id":1358,"date":"2012-02-19T09:13:38","date_gmt":"2012-02-19T08:13:38","guid":{"rendered":"https:\/\/f-finance.de\/?p=1358"},"modified":"2023-10-19T09:16:37","modified_gmt":"2023-10-19T07:16:37","slug":"westlb-warten-auf-die-abfindung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/f-finance.de\/en\/westlb-warten-auf-die-abfindung\/","title":{"rendered":"WestLB \u2013 Warten auf die Abfindung"},"content":{"rendered":"<p>Flucht von der WestLB: Junge Leistungstra\u0308ger und hochrangige Manager verlassen die einst ma\u0308chtige Landesbank, die kurz vor der Abwicklung steht. Alteingesessene Mitarbeiter hoffen derweil auf den goldenen Handschlag.<\/p>\n<p>Du\u0308sseldorf &#8211; Spannende Jobs in spannenden Zeiten &#8211; das verspricht die Karriereseite der WestLB potenziellen Bewerbern auf fro\u0308hlich blinkenden Werbebannern. Als Top-Arbeitgeber 2011 sei man gerade ausgezeichnet worden. Vielfa\u0308ltige Aufgaben, herausfordernde Projekte, neue Themen: &#8220;Es gibt mehr als einen Grund, warum Sie bei uns anfangen sollten&#8221;, lockt die Du\u0308sseldorfer Landesbank auf ihrer Website. Neue Themen und herausfordernde Projekte gibt es bei der WestLB derzeit in der Tat: Es gilt, innerhalb der kommenden fu\u0308nf Monate eine ganze Bank abzuwickeln.<\/p>\n<p>Ab dem 1. Juli 2012 wird die WestLB Geschichte sein. U\u0308brig bleiben dann eine Bad Bank, die den Namen &#8220;Erste Abwicklungsanstalt&#8221; (EAA) tra\u0308gt &#8211; au\u00dferdem eine &#8220;Verbundbank&#8221; fu\u0308r das Sparkassengescha\u0308ft, die an die Landesbank Hessen-Thu\u0308ringen (Helaba) verkauft wird. Und eine Art Servicegesellschaft, die unter neuem Namen Rechtsnachfolgerin der alten WestLB wird. Sie soll fu\u0308r die neue Verbundbank sowie fu\u0308r die eigene und externe Bad Banks Wertpapier- und Kreditportfolios verwerten und verwalten. In diesen Restbanken wird allerdings nicht einmal die Ha\u0308lfte der mehr als 4000 WestLB-Mitarbeiter unterkommen.<\/p>\n<p>Die Bank hat zwar versprochen, bis Ende dieses Jahres auf betriebsbedingte Ku\u0308ndigungen zu verzichten &#8211; damit man in Ruhe die Umstrukturierung angehen ko\u0308nne, hei\u00dft es. Bis zum Jahr 2016, wenn auf Anweisung der EU-Kommission auch die neue Service-Gesellschaft verkauft werden soll, will die Bank allerdings um rund 2.500 Mitarbeiter schrumpfen.<br \/>\nFu\u0308r junge Leistungstra\u0308ger und hochrangige Manager ist die Aussicht, bis zum bitteren Ende der Abwicklung dabeizubleiben, offenbar ohnehin wenig verlockend. Ein Spitzenmanager nach dem anderen verabschiedet sich: Ju\u0308ngster Flu\u0308chtling ist Kapitalmarktvorstand Klemens Breuer, der &#8220;auf eigenen Wunsch und in bestem Einvernehmen&#8221; geht, wie die Bank diese Woche meldete. Einen neuen Kapitalmarktvorstand leistet sich die in Auflo\u0308sung befindliche Landesbank nicht mehr &#8211; Firmenkundenvorstand Werner Taiber u\u0308bernimmt ab Februar Breuers Aufgaben.<br \/>\nNicht ganz so lang wie der Kapitalmarktexperte hielt es Finanzvorstand Hans- Ju\u0308rgen Niehaus aus: Er wechselte bereits im Sommer 2011 zur Wirtschaftspru\u0308fungsgesellschaft Deloitte. Auch Ernst Eichenseher, Bereichsvorstand Marktrisikomanagement, Martin Mierswa, Leiter Corporate Debt Finance, und Kreditsyndizierungs-Experte Richard Hill verlie\u00dfen bereits im vergangenen Jahr das sinkende Schiff.<\/p>\n<p>Nur versta\u0308ndlich, findet Tiemo Kracht, Gescha\u0308ftsfu\u0308hrer der Personalberatungsgesellschaft Kienbaum. &#8220;Es gibt in solchen dramatischen Umbruchsituationen, in denen die Zukunft eines Unternehmens so unklar ist, im Wesentlichen zwei Typen von Mitarbeitern&#8221;, erkla\u0308rt er.<\/p>\n<p>Erstens diejenigen, die angesichts immer neuer Hiobsbotschaften lieber selbst aktiv wu\u0308rden, statt sich von den Geschehnissen treiben zu lassen &#8211; und deshalb fru\u0308h beginnen, sich nach attraktiveren Jobs umzuschauen. &#8220;Das sind in der Regel nicht die schlechtesten Mitarbeiter. Sondern diejenigen, die auch anderswo schnell und gern eingestellt werden.&#8221;<br \/>\nZweitens blieben diejenigen Mitarbeiter, die sich an ihren Job klammerten, so lange es geht. &#8220;Beziehungsweise bis ihnen das Unternehmen den erhofften goldenen Handschlag in Form einer gro\u00dfzu\u0308gigen Abfindung anbietet.&#8221;<\/p>\n<p>Spezialisten fu\u0308r das Risikomanagement gesucht: Der goldene Handschlag fu\u0308r altgediente Mitarbeiter ko\u0308nnte die Eigner der WestLB, also die Sparkassen und das Land Nordrhein-Westfalen, allerdings teuer zu stehen kommen. &#8220;Die Mitarbeiter der WestLB sind ja durch diverse Krisen schon leidgepru\u0308ft, viele der ju\u0308ngeren Mitarbeiter sind in den vergangenen Jahren bereits gegangen&#8221;, sagt Martin Faust, Professor fu\u0308r Bankbetriebslehre an der Frankfurt School of Finance and Management. Faust hat selbst einst seine Bankausbildung bei der WestLB absolviert und beobachtet den Niedergang der einst stolzen Landesbank seit langem. &#8220;Die Mitarbeiter, die jetzt noch da sind, sind oft langja\u0308hrige, altgediente Mitarbeiter&#8221;, sagt Faust. Mit der Perspektive Abwicklung vor Augen sinke deren Motivation nun immer weiter.<br \/>\n&#8220;Dennoch ist es natu\u0308rlich schwierig fu\u0308r die Bank, diese Mitarbeiter loszuwerden &#8211; und gerade die langja\u0308hrigen Mitarbeiter haben noch extrem gro\u00dfzu\u0308gige Arbeitsvertra\u0308ge.&#8221; So sei es etwa fru\u0308her u\u0308blich gewesen, dass die Bank fu\u0308r Mitarbeiter, die la\u0308nger als zwanzig Jahre im Betrieb waren, Sozialversicherungskosten u\u0308bernommen habe. &#8220;Die Abfindungen fu\u0308r diese Mitarbeiter und ihre Pensionszusagen werden entsprechend teuer.&#8221; Das ko\u0308nnte auch potenzielle Ka\u0308ufer abschrecken, Teile der WestLB zu u\u0308bernehmen. &#8220;Die alteingesessenen Mitarbeiter sind ein enormer Kostenfaktor. Gleichzeitig haben junge, qualifizierte Kra\u0308fte die Bank verlassen und fehlen nun.&#8221;<br \/>\nErsatz fu\u0308r die jungen Leistungstra\u0308ger zu finden, ko\u0308nnte indes schwer werden. Auf ihren Karriereseiten sucht die WestLB derzeit nach Spezialisten fu\u0308r das Risikomanagement. &#8220;Die sind aber gerade in allen Banken sehr gefragt, weil sie die scha\u0308rfere Finanzmarktregulierung umsetzen mu\u0308ssen&#8221;, sagt Wilhelm-Christian Helkenberg, Managing Partner der Mu\u0308nchener Personalberatung Heads.<br \/>\nEin Ansturm auf Stellen bei der WestLB sei daher kaum zu erwarten. Im Gegenteil: Konkurrenten und Headhunter haben die verbliebenen WestLBler ins Visier genommen. &#8220;Viele Mitarbeiter warten jetzt offenbar erst einmal ab, wie die Abfindungen geregelt werden, bevor sie sich nach neuen Stellen umschauen oder auf die Angebote von Headhuntern eingehen&#8221;, sagt Helkenberg.<\/p>\n<p>Auch mancher potenzielle Ka\u0308ufer fu\u0308r Teile der WestLB ko\u0308nnte sich denken: Warum einen Unternehmensteil kaufen, wenn man auch einfach die Mitarbeiter und Kunden abwerben kann?<br \/>\nDie WestLB werde daher auf jeden Fall in den kommenden Monaten einen Aderlass erleben, vor allem bisher noch zo\u0308gerliche junge Talente wu\u0308rden das Unternehmen jetzt verlassen, meint <strong>Thomas von Ciriacy-Wantrup<\/strong>, auf die Finanzbranche spezialisierter Personalberater bei <strong>Fricke Finance &amp; Legal<\/strong> in Frankfurt. &#8220;Es ist zu beobachten, dass sich jetzt einige Konkurrenten der WestLB sta\u0308rker in der Region Du\u0308sseldorf engagieren und ihre Firmenkunden-Teams ausbauen&#8221;, berichtet er. &#8220;Wie viele Mitarbeiter der WestLB der Markt aufnehmen kann, ist aber fraglich. Viele werden in der Region keinen neuen Job finden.&#8221;<\/p>\n<p>Autorin: Sarah Sommer<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Flucht von der WestLB: Junge Leistungstra\u0308ger und hochrangige Manager verlassen <a href=\"https:\/\/f-finance.de\/en\/westlb-warten-auf-die-abfindung\/\">&#8230; <br \/><span class=\"mehr-link\"><br \/>\u2192 Zum Artikel<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[],"tags":[],"class_list":["post-1358","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/f-finance.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1358","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/f-finance.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/f-finance.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/f-finance.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/f-finance.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1358"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/f-finance.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1358\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1359,"href":"https:\/\/f-finance.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1358\/revisions\/1359"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/f-finance.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1358"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/f-finance.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1358"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/f-finance.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1358"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}